Konkordatslehrstühle


Gegen Konkordatslehrstühle

Stell dir vor an deiner Fakultät wird ein neuer Professor gesucht, aber der am besten geeignete Kandidat wird abgelehnt – weil er nicht katholisch ist.
Ein undenkbares Szenario, wir sind ja nicht im Mittelalter? Aber leider kann es an bayerischen Unis tatsächlich vorkommen, dass ein Kandidat oder eine Kandidatin für eine Professur wegen seiner oder ihrer Religion oder Konfession benachteiligt wird.

Der Grund dafür ist ein Vertrag, der im Jahr 1924 zwischen dem Freistaat Bayern und dem Heiligen Stuhl, also dem Vatikan, geschlossen wurde. In diesem Vertrag wurde das Verhältnis von Bayern zur katholischen Kirche neu geregelt, unter anderem wurde zum Beispiel festgelegt, dass an bayerischen Universitäten Theologie gelehrt wird.

Aber in Artikel drei dieses Vertrags werden außerdem die bayerischen Unis dazu verpflichtet, in einem erziehungswissenschaftlichen Fachbereich je einen Lehrstuhl für Philosophie, für Gesellschaftswissenschaften und für Pädagogik zu unterhalten, bei dessen Besetzung die katholische Kirche ein Vetorecht hat. Konkret heißt das, dass an den Universitäten Augsburg, Erlangen-Nürnberg, München, Passau, Regensburg, Würzburg und an der Gesamthochschule Bamberg je drei Lehrstühle nur mit den von der Uni gewählten Personen besetzt werden dürfen, wenn die katholische Kirche „hinsichtlich ihres katholischen Standpunktes“ keine Einwände zu erheben hat. Dieser Vertrag ist ein sogenanntes Konkordat, also ein staatskirchlicher Vertrag, weshalb die betroffenen Lehrstühle als Konkordatslehrstühle bezeichnet werden.

Zur Erinnerung: Diese Lehrstühle sind NICHT an der theologischen Fakultät angesiedelt und werden auch NICHT von der Kirche finanziert. Die katholische Kirche darf einfach nur bei der Personalauswahl mitreden.
Zwar verzichteten die bayerischen Bischöfe im Jahr 2013 auf ihr Vetorecht, aber dennoch ist der Vertrag bis heute rechtskräftig, es könnte also jederzeit wieder ein in den Augen der Kirche ungeeigneter Kandidat blockiert werden.

Die Grüne Hochschulgruppe setzt sich gegen Konkordatslehrstühle ein, da diese gravierend im Widerspruch zu Artikel 33 des Grundgesetzes stehen: „Der Genuss bürgerlicher und staatsbürgerlicher Rechte, die Zulassung zu öffentlichen Ämtern sowie die im öffentlichen Dienste erworbenen Rechte sind unabhängig von dem religiösen Bekenntnis. Niemandem darf aus seiner Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einem Bekenntnis oder einer Weltanschauung ein Nachteil erwachsen.“

Wir fordern eine eindeutige Trennung zwischen staatlichen Universitäten und der katholischen Kirche und sind gegen jede Benachteiligung aufgrund von Konfession oder Religion. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Grünen Hochschulgruppen der anderen bayerischen Universitäten, die Konkordatslehrstühle endgültig abzuschaffen.


Am 14.06.2017 veranstalten wir um 20 Uhr eine Podiumsdiskussion zu dem Thema im Festsaal über der Burse:

facebook.com/events/279707899099423/

Es diskutieren Verena Osgyan (Grüne, Mitglied im Wissenschaftsausschuss des Landtags), Burkhard Hose (Bistum Würzburg, Hochschulpfarrer), Thomas Neumann (Institut für Kanonisches Recht, Uni Münster) und Dr. Thomas Goppel (CSU, Mitglied im Wissenschaftsausschuss des Landtags) über Konkordatslehrstühle und die Frage, ob eine solche Einrichtung zeitgemäß und einem säkularen Staat angemessen ist. Der Eintritt ist frei.

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